#computerspiele #computerspielsucht #gamingdisorder

Computerspiel-Sucht

In der OnlineSeelsorge erreichen uns Anfragen von verzweifelten Müttern, die ihre Söhne nicht mehr vom Computer wegbekommen und Jungen, die von ihren Müttern genervt sind, weil sie ihnen verbieten, so lange mit ihren Freunden online zu spielen, wie sie wollen. In der Supervision berichtete eine Schulseelsorgerin, dass die Kinder aus der dritten und vierten Klasse zu ihr kommen und sagen: „Ich bin computersüchtig“.  Anfang 2022 gehört Computerspielsucht als Störungsbild in den ICD-11 und bietet für Betroffene und Angehörige eine Grundlage zur besseren Versorgung.

Das Internet wird nicht ins Leben, sondern das Leben ins Internet befördert.

So überschaubar ist die Formel für Online-Abhängigkeit. Abhängigkeit besteht darin, dass wir mehr und mehr die Kontrolle verlieren und uns zunehmend an das Suchtmittel (Internet) binden und Beziehungen, Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz in den Hintergrund rücken und gefährdet sind!  Wir Menschen spielen gern, das Spielen ist Teil unserer Kultur.

Dazu gehören auch Computerspiele, die unsere kognitiven Fähigkeiten und unseren Körper trainieren.
So geht es z.B. in Adventure-Spielen darum Rätsel zu lösen, Verborgenes zu entdecken, seltsame Maschinen in Gang zu setzen und so Geheimnissen unbekannter Kulturen auf die Spur kommen. Klassische Adventures erfordern Kombinationsfähigkeit, logisches Denken und Aufmerksamkeit. Bei den Action-Adventures kommen Reaktionsvermögen und eine gute Auge-Hand-Koordination hinzu. In Rennspielen (Arkade-Racer) geht es darum, eine vorgegebene Strecke zu befahren und erfordern Reaktionsschnelligkeit, eine gute Auge-Hand-Koordination sowie Konzentrationsvermögen. Shooterspiele erfordern Reaktionsvermögen und sind Geschicklichkeitsspiele, manche legen auch Wert auf taktische und strategische Elemente. In Rollenspielen schlüpfen Spielende in die Rolle einer selbstgewählten Spielfigur, die sie gestalten können. Die Spielfigur muss verschiedene Aufgaben erfüllen und wenn es gelingt, gibt es eine Belohnung. Rollenspiele gibt es in unterschiedliche Ausprägungen, häufig gibt kein definiertes Spielende. Wegen des Gruppendrucks, bei entscheidenden Kämpfen oder Auseinandersetzungen dabei zu sein, und der nahezu unbegrenzten Spielmöglichkeiten kommt zu zeitlich exzessiver Nutzung. Rollenspiele erfordern strategische und taktische Überlegungen, sinnvolles planerisches Handeln und geschickten Einsatz der Fähigkeiten der eigenen Spielfigur. Daneben werden Gruppenarbeit und Teamgeist trainiert. In Sportspielen wird die Realität in die fiktive Welt umgesetzt. In Deutschland zählen die Fußballsimulationen zu den Bestsellern. Sportspiele erfordern eine gute Auge-Hand-Koordination sowie taktisches Verständnis für die jeweilige Sportart.

Viele der Spiele verschaffen ein „Selbstwirksamkeitserleben“.

Das heißt, die Erfahrung zu machen, schwierige oder herausfordernde Situationen gut aus eigener Kraft zu meistern. Handlungen haben eine direkte, unmittelbare und eindeutige Auswirkung auf das Spielgeschehen und dies wird als sehr reizvoll erlebt. Spielende erleben sich in einer oft „mächtigen“ Rolle. Es ist es nicht die Figur, deren Handlung über das Schicksal entscheidet, sondern es sind die Spielenden. Digitale Spiele ermöglichen Erfahrungen, die in der Realität nur schwer möglich.  Im  Spiel  fühlen sich Spielende in ihrer Kompetenz bestätigt und werden durch Erfolge motiviert. Sie tauchen in die virtuelle Welt und vergessen ihre reale Umwelt. Jede Aufforderung, jetzt zum Essen zu kommen, nimmt ihnen diese positiven Gefühle und dagegen wehren sie sich. Zudem helfen Computerspiele auch negative Gefühlszustände zu regulieren, etwa Stress abzubauen.

Abhängig wird man, wenn die gewünschte Wirkung nur durch längere und häufigere Spielzeiten erreicht werden kann und man die Kontrolle über das Spielverhalten verliert, so dass das Spielen den Alltag dominiert.
2020 haben 700.000 Jugendliche pathologisch oder riskant Games gespielt, ermittelte das Deutsche Zentrum für Suchtfragen. Das Gehirn junger Menschen ist besonders anfällig für Suchterkrankungen, da es noch im Wachstum ist und die Impulskontrolle noch nicht vollständig ausgebildet ist. Computerspiele sind so entworfen und designt, dass sie als beglückend und belohnend erlebt werden, denn dahinter steckt eine mächtige Industrie, die dieses Wissen umsetzt und perfektioniert hat. Kinder und Jugendliche sind den raffinierten und auf profitausgerichteten Computerspielen fast hilflos ausgeliefert.

Autorin des Artikels
Birgit Knatz


Quellen: